Heizen

Nachtspeicherheizung: tauschen oder behalten?

Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Nachtspeicherheizung kostet bei 8.000 bis 12.000 kWh Verbrauch rund 1.600 bis 2.500 Euro Strom im Jahr - etwa das Dreifache einer Wärmepumpe.
  • Der neue Netzrabatt SNAP gilt seit April 2026 von 10 bis 16 Uhr, nicht nachts - der Speicherofen lädt zur falschen Tageszeit.
  • Ohne wassergeführte Heizkörper ist die Luft-Luft-Wärmepumpe der realistische Ersatz: 5.000 bis 9.500 Euro, amortisiert in vier bis sieben Jahren.
  • Geräte aus der Zeit vor 1977 können Asbest enthalten und dürfen nur von befugten Unternehmen demontiert werden.
Nachtspeicherheizung: tauschen oder behalten?

Warum der Nachtspeicherofen einmal eine gute Idee war

Das Prinzip ist simpel: In den Nachtstunden fließt Strom durch Heizwendeln und erhitzt einen Kern aus Schamotte- oder Magnesitsteinen auf mehrere hundert Grad. Über den Tag gibt der Speicher diese Wärme wieder ab, teils passiv über die Oberfläche, teils gesteuert über ein Gebläse.

Der Sinn dahinter lag nie in der Effizienz, sondern in der Kraftwerkslogik der Sechziger- und Siebzigerjahre. Große thermische Kraftwerke und Laufwasserkraftwerke liefen rund um die Uhr, nachts brauchte aber kaum jemand Strom. Ein Verbraucher, der genau dann zugreift, war für die Netzbetreiber wertvoll - und wurde mit günstigem Nachtstrom belohnt.

Physikalisch bleibt eine Nachtspeicherheizung aber das, was sie ist: eine Widerstandsheizung mit einem Verhältnis von eins zu eins. Aus einer Kilowattstunde Strom wird eine Kilowattstunde Wärme, nicht mehr. Eine Wärmepumpe macht aus derselben Kilowattstunde drei bis viereinhalb. Dieser Faktor ist der ganze Unterschied - und er lässt sich durch keinen Tarif der Welt aufholen.

Was der Betrieb heute kostet

Ein Haushalt, der ausschließlich mit Nachtspeicheröfen heizt, verbraucht typischerweise 8.000 bis 12.000 Kilowattstunden im Jahr. Beim Niedertarif, der in Österreich meist zwischen 22 und 6 Uhr gilt und bei rund 18 bis 22 Cent je Kilowattstunde liegt, ergibt das Stromkosten von 1.600 bis 2.500 Euro jährlich - nur fürs Heizen, ohne Warmwasser und Haushaltsstrom.

Zum Vergleich, gerechnet mit 10.000 Kilowattstunden Wärmebedarf und dem österreichischen Durchschnittspreis von 29 Cent:

SystemStrombedarf für 10.000 kWh WärmeKosten pro Jahr
Nachtspeicherheizung (Niedertarif 20 ct)10.000 kWh2.000 €
Luft-Luft-Wärmepumpe (SCOP 4,0)2.500 kWh725 €
Luft-Wasser-Wärmepumpe (JAZ 3,5)2.857 kWh829 €
Erdwärmepumpe (JAZ 4,5)2.222 kWh644 €

Die Differenz von rund 1.300 Euro im Jahr ist der eigentliche Grund, warum sich ein Tausch trotz hoher Investitionskosten rechnen kann. Dazu kommt: Der Niedertarif gilt nur für den Heizstrom über den eigenen Zählerkreis - was tagsüber nachgeheizt wird, läuft zum vollen Hochtarif.

Die Tarifgrundlage dreht sich gerade - von der Nacht auf den Mittag

Hier wird es für Besitzerinnen und Besitzer einer Nachtspeicherheizung unangenehm. Der günstige Zeitraum im österreichischen Stromnetz verschiebt sich, und zwar weg von der Nacht.

Seit 1. April 2026 gilt der Sommer-Nieder-Arbeitspreis, kurz SNAP. Wie die Arbeiterkammer erläutert, sinkt der Netzarbeitspreis von 1. April bis 30. September täglich zwischen 10 und 16 Uhr um 20 Prozent. Voraussetzung ist ein Smart Meter mit aktivierter Viertelstundenmessung. Der Grund für dieses Zeitfenster: Mittags speisen die Photovoltaikanlagen ein, das Netz soll genau dann entlastet werden.

Der Nachtspeicherofen lädt aber um drei Uhr früh. Vom neuen Rabatt sieht er nichts. Und mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz wird die Netzentgeltstruktur ab 1. Jänner 2027 weiter umgebaut - in dieselbe Richtung.

Die Logik hinter dem billigen Nachtstrom, dass nachts Überschuss herrscht und tagsüber Knappheit, gilt schlicht nicht mehr. Heute ist der Mittag die Stunde des Überflusses. Wer heute noch einen echten Nachttarif hat, sollte ihn nutzen, solange es ihn gibt - aber keine Investitionsentscheidung mehr darauf gründen.

Der Umstieg, der in der Praxis funktioniert

Der naheliegende Gedanke ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe. In einem Haus mit Nachtspeicheröfen stößt sie allerdings auf ein teures Hindernis: Es gibt kein wassergeführtes Verteilsystem. Keine Rohre, keine Heizkörper, keine Fußbodenheizung. Der Umstieg bedeutet damit eine komplette Heizungsinstallation samt Stemmarbeiten in jedem Raum, nicht bloß eine neue Wärmequelle im Keller. Genau daran scheitern die meisten Vorhaben - und deshalb stehen die Öfen oft noch.

Die praktikable Alternative ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe, technisch eine Multisplit-Anlage: ein Außengerät, mehrere Innengeräte, Kältemittelleitungen statt Wasserrohren. Sie braucht kein Verteilsystem, arbeitet mit Jahresarbeitszahlen um 4 und kühlt im Sommer gleich mit. Für drei bis vier Räume kostet eine solche Anlage 5.000 bis 9.500 Euro inklusive Montage. Bei 1.300 Euro Ersparnis im Jahr amortisiert sie sich in vier bis sieben Jahren.

Drei Einschränkungen gehören dazu, und sie sind ernst zu nehmen:

  • Nur beheizte Räume werden warm. Wo kein Innengerät hängt, kommt keine Wärme an. Bad und Flur bleiben ein Problem.
  • Kein Warmwasser. Der elektrische Boiler bleibt - oder es kommt eine Brauchwasserwärmepumpe dazu.
  • Bei strengem Frost sinkt die Leistung. Im schlecht gedämmten Altbau reicht sie an den kältesten Tagen möglicherweise nicht allein.

Wo ein Netz vorhanden ist, ist der Anschluss an die Fernwärme die komfortabelste Lösung - er scheitert aber am selben fehlenden Verteilsystem. In einzelnen Zimmern, die selten genutzt werden, kann eine Infrarotheizung den alten Ofen ersetzen. Als Vollersatz fürs ganze Haus ist sie es nicht: Sie hat denselben Wirkungsgrad von eins zu eins wie der Nachtspeicher, nur ohne dessen Nachttarif.

Gute Nachricht bei der Förderung

Anders als viele annehmen, gilt die Nachtspeicherheizung im Förderrecht nicht als Stromheizung zweiter Klasse. Das Bundesprogramm Kesseltausch nennt als austauschbare Altanlagen ausdrücklich Öl, Gas, Kohle- und Koks-Allesbrenner sowie strombetriebene Nacht- oder Direktspeicheröfen. Der Umstieg auf Fernwärme, eine Holzzentralheizung oder eine Wärmepumpe wird also gleich behandelt wie der Ausstieg aus einer Ölheizung - mit bis zu 7.500 Euro für die Wärmepumpe, gedeckelt mit 30 Prozent der förderungsfähigen Kosten - ausbezahlt wird der jeweils niedrigere Betrag.

Der Haken ist der Zeitpunkt: Das Budget 2026 war am 10. Juli ausgeschöpft, neue Registrierungen sind seither nicht möglich. Laufende Anträge werden weiterbearbeitet, die nächste Runde ist für 2027 zu erwarten. Wer den Tausch plant, sollte die Antragsschritte jetzt vorbereiten und im Jänner bereit sein - Landesförderungen laufen unabhängig davon weiter.

Ob eine Luft-Luft-Wärmepumpe die Förderkriterien erfüllt, ist allerdings im Einzelfall bei der Förderstelle zu klären. Die Richtlinien zielen üblicherweise auf Wärmepumpen mit wassergeführtem Verteilsystem.

Vor dem Ausbau: die Asbestfrage klären

Ein Punkt, an dem man nicht sparen darf. Nachtspeicheröfen aus der Zeit vor 1977 enthalten häufig asbesthaltige Bauteile, meist in der Dämmung rund um den Speicherkern. Ältere Geräte können außerdem mit chromhaltigen Stäuben belastet sein.

Laut dem österreichischen Rücknahmesystem Elektro Ade lässt sich ein asbesthaltiges Gerät nicht zerlegen, ohne Fasern freizusetzen. Die Demontage gehört deshalb ausschließlich in die Hände befugter Unternehmen. Kleine, unzerlegte Geräte werden an Sammelstellen angenommen - Öffnungen sollten davor mit Klebeband verschlossen und das Gerät in Folie verpackt werden.

Ob Ihr Gerät betroffen ist, klärt eine Anfrage mit der Typenbezeichnung bei der regionalen Abfallberatung. Diese Auskunft kostet nichts und erspart im Ernstfall eine Sanierung. Selbst aufschrauben ist keine Option.

Sofort sparen, ohne einen Cent zu investieren

Solange der Ofen bleibt, entscheidet die Aufladung über die Rechnung - und genau hier passiert der häufigste Fehler. Jeder Nachtspeicherofen hat zwei Regler, die zusammenspielen müssen: die Aufladung (wie viel Wärme nachts in den Speicherkern geht) und die Entladung beziehungsweise Raumtemperatur (wie viel davon tagsüber abgegeben wird).

Wird zu viel geladen, ist es morgens zu warm, das Fenster geht auf, und die teuer erzeugte Wärme verlässt das Haus. Wird zu wenig geladen, ist der Speicher am Nachmittag leer und die Direktheizung springt zum vollen Tagestarif ein. Beide Fehler kosten Geld, der erste unbemerkt.

Drei Regeln bringen am meisten:

  • Nach der Prognose laden, nicht nach dem heutigen Wetter. Was heute Nacht in den Stein geht, wird morgen gebraucht. Bei mildem Folgetag zurückdrehen - grobe Orientierung: um 10 Grad rund ein Drittel Ladung, um 0 Grad zwei Drittel, ab minus 5 Grad volle Ladung.
  • Prüfen, ob eine witterungsgeführte Steuerung vorhanden ist. Viele Anlagen haben eine zentrale Aufladesteuerung mit Außenfühler, die das automatisch erledigt. Ist sie defekt oder falsch parametriert, lädt die Anlage jahrelang auf Maximum. Ein Elektrotechniker prüft das in einer halben Stunde.
  • Ungenutzte Räume ganz abschalten, nicht nur herunterregeln. Ein Speicherkern verliert auch ohne Entladung Wärme über die Oberfläche - bei alten, schlecht gedämmten Geräten spürbar.

Zehn Prozent weniger Ladung sind bei 2.000 Euro Jahreskosten 200 Euro. Das ist keine Lösung des Grundproblems, aber es finanziert einen Teil der Beratung für den späteren Umstieg.

Wann sich das Behalten rechnet

Nicht jeder Ofen muss sofort weg. Für einen Weiterbetrieb sprechen drei Situationen:

  • Geringer Heizbedarf. In einer kleinen, gut gedämmten Wohnung mit 3.000 Kilowattstunden Heizbedarf geht es um 600 Euro im Jahr. Eine Investition von mehreren tausend Euro amortisiert sich dort nie.
  • Nur ein oder zwei Öfen als Zusatzheizung. Wenn die Grundlast ohnehin anders gedeckt wird, ist der Tausch kein vorrangiges Projekt.
  • Eigene Photovoltaikanlage mit Speicher. Wer viel eigenen Strom hat, verschiebt die Rechnung deutlich - allerdings produziert die PV-Anlage im Winter, wenn geheizt wird, am wenigsten.

In allen anderen Fällen gilt: Je mehr Sie heizen, desto teurer wird das Warten. Bei 10.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch kostet jedes Jahr mit dem alten System rund 1.300 Euro mehr als nötig.

Häufige Fragen

Sind Nachtspeicherheizungen in Österreich verboten?

Nein. Anders als zeitweise in Deutschland gibt es in Österreich kein generelles Betriebsverbot. Bestehende Anlagen dürfen weiterlaufen, solange sie funktionieren und sicher sind.

Was kostet eine Nachtspeicherheizung im Jahr?

Bei einem typischen Verbrauch von 8.000 bis 12.000 Kilowattstunden und einem Niedertarif von 18 bis 22 Cent sind es 1.600 bis 2.500 Euro jährlich, nur für die Heizung. Eine Wärmepumpe kommt bei gleicher Wärmemenge auf rund ein Drittel.

Wird der Tausch einer Nachtspeicherheizung gefördert?

Ja. Das Bundesprogramm Kesseltausch nennt strombetriebene Nacht- und Direktspeicheröfen ausdrücklich als austauschbare Altanlagen, gleichrangig mit Öl und Gas. Für 2026 ist das Budget allerdings ausgeschöpft.

Enthält mein Nachtspeicherofen Asbest?

Möglich, wenn er vor 1977 hergestellt wurde. Klären lässt sich das über die Typenbezeichnung bei der regionalen Abfallberatung. Die Demontage asbesthaltiger Geräte dürfen nur befugte Unternehmen durchführen.

Lohnt sich ein Nachtstromtarif noch?

Für den Betrieb einer bestehenden Nachtspeicherheizung ja, solange der Tarif angeboten wird. Als Grundlage für eine neue Investition nein: Der Netzentgeltrabatt SNAP gilt seit April 2026 mittags zwischen 10 und 16 Uhr, nicht nachts.