Infrarotheizung: Kosten, Stromverbrauch und wann sie sinnvoll ist
- Eine Infrarotheizung ist eine Stromdirektheizung mit hohem Strahlungsanteil (40 bis 90 Prozent). Sie macht aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme, erlaubt aber oft ein bis zwei Grad weniger Raumtemperatur.
- Die Anschaffung ist günstig: rund 300 bis 500 Euro pro Paneel, 2.500 bis 6.500 Euro für eine ganze Wohnung. Im Betrieb kostet sie drei- bis viermal so viel wie eine Wärmepumpe.
- Im Bad kostet ein 600-Watt-Paneel rund 52 Euro Strom im Jahr, eine unsanierte 95-m²-Wohnung als Hauptheizung dagegen rund 4.100 Euro. Die eigene PV-Anlage deckt im Winter nur rund 7 Prozent.
- Sinnvoll ist Infrarot für Bad, Homeoffice, selten genutzte Räume und im Passivhaus. In Vorarlberg ist sie als Hauptheizung im Neubau nur bei sehr niedrigen CO2-Werten erlaubt, gefördert wird sie nirgends.

Was eine Infrarotheizung ist - und was nicht
Hinter dem freundlichen Namen steckt eine alte Technik: Eine Infrarotheizung ist eine Stromdirektheizung. Ein Heizleiter im Paneel wandelt Strom in Wärme um, eine Kilowattstunde Strom wird zu einer Kilowattstunde Wärme. Das Energieinstitut Vorarlberg nennt die Infrarotheizung deshalb nüchtern eine neue Bezeichnung für eine bestimmte Form der Stromdirektheizung.
Der Unterschied zum Heizlüfter oder Konvektor liegt in der Art, wie die Wärme in den Raum kommt. Die Paneele werden auf 80 bis 100 Grad erhitzt und geben bei dieser Temperatur einen großen Teil ihrer Energie als langwellige Wärmestrahlung ab. Die trifft auf Wände, Möbel und Haut und erwärmt sie direkt - ähnlich wie die Sonne im Frühjahr, die an einem kühlen Tag trotzdem warm auf dem Gesicht liegt.
Reine Strahlungsheizungen gibt es allerdings nicht. Jede Heizfläche wärmt auch die Luft, die an ihr vorbeistreicht. Wie groß der Strahlungsanteil ist, hängt von Oberfläche, Bauform und Temperatur ab, nicht vom Energieträger:
| Heizsystem | Anteil Strahlungswärme |
|---|---|
| Heizlüfter | 1 bis 5 % |
| Elektro-Nachtspeicherofen | 5 bis 15 % |
| Radiator | 10 bis 30 % |
| Plattenheizkörper | 20 bis 50 % |
| Fußbodenheizung | 30 bis 80 % |
| Infrarotpaneel | 40 bis 90 % |
| Wandheizung | 50 bis 90 % |
| Kachelofen | 50 bis 90 % |
Quelle: Energieinstitut Vorarlberg, Ratgeber Infrarotheizung (Stand 2019)
Die Tabelle rückt eine verbreitete Werbebehauptung zurecht. Eine gute Wandheizung oder ein Kachelofen strahlt mindestens so viel Wärme ab wie ein Infrarotpaneel, und eine Fußbodenheizung kommt in dieselbe Größenordnung. Den höchsten Strahlungsanteil erreichen großflächige Niedertemperatursysteme, nicht die heißen Paneele.
Seit 2020 gibt es mit der Norm IEC 60675-3 erstmals ein einheitliches Messverfahren für den Strahlungswirkungsgrad. Ein Gerät, das sich danach Infrarotheizung nennen darf, muss mindestens 40 Prozent der zugeführten Leistung als Strahlung abgeben. Wer im Geschäft nach dem Messwert fragt, trennt Qualitätsprodukte schnell von umetikettierten Konvektoren.
Der eine echte Vorteil: gefühlte Wärme bei kühlerer Luft
Strahlungswärme wird von den meisten Menschen als angenehm empfunden. Laut Energieinstitut lässt sich die Raumtemperatur in strahlungsbeheizten Räumen gegenüber Radiatoren oft um ein bis zwei Grad senken, ohne dass es ungemütlicher wird. Das spart etwas Energie und ist der sachliche Kern hinter dem Versprechen, eine Infrarotheizung sei sparsamer.
Die Kehrseite: Der Komfort reicht nur so weit wie die Strahlung. Wandpartien, die kein Paneel anstrahlt, bleiben kühler, und ein warmer Rücken bei kalter Brust fühlt sich schnell unbehaglich an. Die einschlägige Norm empfiehlt deshalb maximale Temperaturunterschiede zwischen den umgebenden Flächen - rund 5 Grad bei warmen Decken, rund 10 Grad bei kalten Wänden und Fenstern. In einem ungedämmten Altbau mit kalten Außenwänden ist diese Grenze schnell erreicht.
Ein zweiter Punkt betrifft die Luftqualität. Ab etwa 55 Grad Oberflächentemperatur beginnt Hausstaub zu verschwelen. Das kann riechen und die Luft trockener wirken lassen, auch wenn die relative Feuchte gleich bleibt. Konvektoren und Nachtspeicheröfen haben dasselbe Problem, das Infrarotpaneel ist davon aber nicht ausgenommen.
Wie viel Leistung ein Raum braucht
Die richtige Dimensionierung entscheidet über Komfort und Kosten. Ein zu kleines Paneel läuft an kalten Tagen ohne Pause und schafft die Solltemperatur trotzdem nicht, ein zu großes taktet und heizt ungleichmäßig. Als Faustwerte für Räume mit 2,5 Metern Deckenhöhe gelten (Quelle: infrarotheizung-ratgeber.de):
| Außenwände | ungedämmt | durchschnittlich gedämmt | gut gedämmt |
|---|---|---|---|
| eine | 90 W/m² | 70 W/m² | 50 W/m² |
| zwei | 100 W/m² | 80 W/m² | 60 W/m² |
| drei | 110 W/m² | 90 W/m² | 70 W/m² |
| vier | 120 W/m² | 100 W/m² | 80 W/m² |
Im Badezimmer kommen rund 20 Watt pro Quadratmeter dazu, weil dort höhere Temperaturen gewünscht sind. Zwei Beispiele:
- Bad, 10 m², gut gedämmt, eine Außenwand: 50 + 20 = 70 W/m², also rund 700 Watt.
- Wohnzimmer, 25 m², Eckraum, durchschnittlich gedämmt: 80 W/m², also 2.000 Watt - sinnvollerweise auf zwei oder drei Paneele verteilt.
Faustwerte ersetzen keine Planung. Ein seriöser Anbieter rechnet die Heizlast nach Norm für jeden einzelnen Raum und legt fest, wo welches Paneel hängt. Wer nur eine Gesamtwattzahl für die Wohnung bekommt, sollte ein zweites Angebot einholen.
Was die Anschaffung kostet
In der Anschaffung ist die Infrarotheizung schwer zu schlagen. Es gibt keinen Heizraum, keinen Kamin, keine Rohre und keinen Pufferspeicher, und Wartung fällt keine an. Die Größenordnungen:
| Umfang | Kosten |
|---|---|
| Einzelnes Paneel (70×60 bis 120×60 cm) | rund 300 bis 500 € |
| 95-m²-Wohnung, 7 Paneele | rund 3.500 € plus 300 bis 400 € für Thermostate und Steuerung |
| Komplette Wohnung | rund 2.500 bis 6.500 € |
| Komplettes Haus | rund 6.000 bis 12.500 € |
| Ersatz von Nachtspeicheröfen, 100 m² | rund 10.000 € |
Quellen: infrarotheizung-ratgeber.de; Energieinstitut Vorarlberg (Nachtspeicher-Ersatz, Stand 2019)
Zum Vergleich: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet im Einfamilienhaus schlüsselfertig rund 18.000 bis 32.000 Euro, wie die Aufstellung zu Kosten und Stromverbrauch der Wärmepumpe zeigt. Die Infrarotheizung startet also mit einem Vorsprung von 10.000 bis 20.000 Euro. Die Frage ist nur, wie schnell die Stromrechnung ihn auffrisst.
Eine versteckte Position fehlt in vielen Angeboten: die Elektroinstallation. Nach dem Elektrotechnikgesetz muss bei wesentlichen Änderungen einer bestehenden Anlage geprüft werden, ob die Installation dafür ausgelegt ist. Die Energieberatung Niederösterreich weist darauf hin, dass beim Umstieg auf eine vollständige Stromheizung im Extremfall die gesamte Elektroinstallation samt Zählerkasten erneuert werden muss. In alten Häusern mit dünnen Leitungen und wenigen Stromkreisen ist das keine Seltenheit.
Stromverbrauch und Heizkosten: die Rechnung
Der Verbrauch folgt einer einfachen Formel: Leistung in Kilowatt × Volllaststunden = Kilowattstunden. Volllaststunden sind dabei nicht die Stunden, in denen der Raum warm ist, sondern jene, in denen das Paneel tatsächlich mit voller Leistung heizt. Ein Thermostat schaltet es zwischendurch ab - in einem gut gedämmten Raum oft mehr als die Hälfte der Zeit.
Alle Beträge beruhen auf dem österreichischen Durchschnitt von 29 Cent pro Kilowattstunde inklusive Netz, Steuern und Abgaben, wie er in der Übersicht zu den aktuellen Strompreisen steht. Mit einem günstigen Neukundentarif um 22 Cent sinken alle Beträge um knapp ein Viertel.
Einzelne Räume
| Einsatz | Annahme | Verbrauch pro Jahr | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|---|
| Bad | 600 W, 1,5 h täglich, 200 Tage | 180 kWh | 52 € |
| Gästezimmer | 1.000 W, 5 h täglich, 20 Tage | 100 kWh | 29 € |
| Homeoffice, 12 m² | 800 W, 4 h täglich, 120 Arbeitstage | 384 kWh | 111 € |
| Wohnzimmer, 25 m², ungedämmter Eckraum | 2.500 W, 6 h täglich, 200 Tage | 3.000 kWh | 870 € |
Die ersten drei Zeilen erklären, warum Infrarot als Zusatzheizung so beliebt ist. 52 Euro im Jahr für ein angenehm warmes Bad am Morgen sind vertretbar, zumal das Paneel nur ein paar hundert Euro gekostet hat. Die letzte Zeile zeigt, wo das Modell kippt: Ein einziger schlecht gedämmter Raum im Dauerbetrieb braucht fast so viel Strom, wie ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt mit rund 3.500 Kilowattstunden im ganzen Jahr verbraucht.
Die ganze Wohnung
Als Hauptheizung zählt der Heizwärmebedarf (HWB) aus dem Energieausweis. Weil die Infrarotheizung jede Kilowattstunde Wärme mit einer Kilowattstunde Strom bezahlt, lässt sich der Verbrauch direkt daraus ablesen. Für eine 95-m²-Wohnung ergibt sich folgendes Bild, verglichen mit einer Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,5:
| Dämmstandard (HWB) | Wärmebedarf | Infrarot | Wärmepumpe (JAZ 3,5) | Differenz pro Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Passivhaus (15 kWh/m²a) | 1.425 kWh | 413 € | 118 € | 295 € |
| Neubau, gut saniert (40 kWh/m²a) | 3.800 kWh | 1.102 € | 315 € | 787 € |
| Teilsaniert (80 kWh/m²a) | 7.600 kWh | 2.204 € | 630 € | 1.574 € |
| Unsaniert (150 kWh/m²a) | 14.250 kWh | 4.133 € | 1.181 € | 2.952 € |
Eigene Berechnung mit 29 Cent/kWh. Der HWB ist ein Rechenwert, der tatsächliche Verbrauch hängt von Wunschtemperatur und Nutzung ab.
Hier liegt der Schlüssel zur ganzen Debatte. Im Passivhaus beträgt der Unterschied knapp 300 Euro im Jahr - in zwanzig Jahren also rund 6.000 Euro, deutlich weniger als der Aufpreis für eine Wärmepumpe samt Verteilsystem. Dort rechnet sich Infrarot tatsächlich. Im unsanierten Bestand dagegen verschlingt die Differenz den Anschaffungsvorteil in drei bis sieben Jahren, und danach zahlt man jedes Jahr fast 3.000 Euro drauf.
Das deckt sich mit der Einschätzung des Energieinstituts: Die Betriebskosten einer Infrarotheizung liegen rund zwei- bis dreimal so hoch wie bei einer Gasheizung und drei- bis viermal so hoch wie bei einer Wärmepumpe.
Im Vergleich mit anderen Stromheizungen
Für 10.000 Kilowattstunden Wärme im Jahr, die Größenordnung eines gut sanierten Einfamilienhauses:
| System | Strombedarf | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| Infrarotheizung (29 ct) | 10.000 kWh | 2.900 € |
| Nachtspeicherheizung (Niedertarif 20 ct) | 10.000 kWh | 2.000 € |
| Luft-Wasser-Wärmepumpe (JAZ 3,5) | 2.857 kWh | 829 € |
| Luft-Luft-Wärmepumpe (SCOP 4,0) | 2.500 kWh | 725 € |
Überraschend für viele: Wer alte Nachtspeicheröfen durch Infrarotpaneele ersetzt, zahlt im Betrieb eher mehr als vorher. Beide machen aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme, aber das Paneel heizt dann, wenn Wärme gebraucht wird - also untertags zum vollen Tarif. Der Speicherofen lädt nachts zum Niedertarif. Mehr zu dieser Abwägung steht im Beitrag Nachtspeicherheizung tauschen oder behalten.
Warmwasser nicht vergessen
Eine Infrarotheizung erzeugt kein Warmwasser. Dafür braucht es ein eigenes System, und das wird in Rechnungen gern unterschlagen. Die Energieberatung NÖ setzt 800 bis 1.000 Kilowattstunden pro Person und Jahr an. Für einen Vierpersonenhaushalt sind das 3.200 bis 4.000 Kilowattstunden - im Passivhaus mehr als die Heizung selbst.
- Elektroboiler: 3.200 bis 4.000 kWh Strom, also rund 930 bis 1.160 Euro im Jahr.
- Brauchwasserwärmepumpe: rund 450 bis 500 kWh, also etwa 130 bis 145 Euro.
Wer sich für Infrarot als Hauptheizung entscheidet, sollte das Warmwasser deshalb gleich mitplanen. Die Kombination Infrarot plus Elektroboiler ist die teuerste denkbare Variante.
Photovoltaik: warum der eigene Strom im Winter kaum hilft
Infrarotheizung und PV-Anlage werden gern als Paket verkauft. Die Idee klingt logisch, scheitert aber am Kalender. Geheizt wird von November bis Februar, am meisten abends und nachts. Die PV-Anlage liefert dann am wenigsten, nachts gar nichts.
Das Energieinstitut Vorarlberg hat das für ein Niedrigstenergiehaus mit Vierpersonenhaushalt und 5-kWp-Anlage durchgerechnet. Ergebnis: In der Heizperiode deckt die eigene PV-Anlage rund 7 Prozent des Strombedarfs für Heizung und Warmwasser. Ein Batteriespeicher ändert daran wenig, weil die schwachen Wintererträge schon von Licht und Haushaltsgeräten aufgebraucht werden. Die Jahresbilanz mag ausgeglichen sein, der Sommerüberschuss fließt aber für wenige Cent ins Netz, während der Winterstrom zum vollen Preis zurückgekauft wird - wie viel die Einspeisung bringt, steht bei den Einspeisetarifen für Photovoltaik.
Etwas besser sieht es in der Übergangszeit aus. An sonnigen Tagen im März, April oder Oktober kann ein Paneel im Homeoffice mittags tatsächlich mit Sonnenstrom laufen. Dazu passt der neue Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP): Wie die Arbeiterkammer erklärt, sinkt das Netzentgelt von 1. April bis 30. September täglich zwischen 10 und 16 Uhr um 20 Prozent. Für die Heizsaison selbst spielt beides kaum eine Rolle.
Dazu kommt die Klimabilanz. Österreich deckt seinen Strombedarf im Winter nicht selbst, zusätzlicher Heizstrom kommt zu einem guten Teil aus Importen und fossilen Kraftwerken. Das Energieinstitut beziffert die CO2-Emissionen von österreichischem Winterstrom nach den Rechenwerten der OIB-Richtlinie 6 (Entwurf 2018) mit 284 bis 332 Gramm pro Kilowattstunde - mehr als Erdgas mit 247 Gramm. Eine Wärmepumpe liegt bei gleicher Rechnung bei 95 bis 111 Gramm, Biomasse bei 17.
Was Bauordnung und Förderung sagen
In den meisten Bundesländern ist eine Infrarotheizung auch als alleinige Heizung erlaubt. Die OIB-Richtlinie 6, auf die sich die Bauordnungen der Länder stützen, sieht kein Verbot vor. Ein Verbot elektrischer Widerstandsheizungen als Hauptheizung im Neubau stand im Entwurf der Ausgabe 2015, wurde aber ersatzlos gestrichen. Ob eine Stromheizung als Hauptheizung zulässig ist, wird über den Energieausweis nachgewiesen: Das Gebäude muss die energetischen Anforderungen auch mit dem Energieträger Strom erfüllen. Was sich mit der Neufassung geändert hat, steht im Beitrag zur OIB-Richtlinie 6 2025.
Vorarlberg ist die Ausnahme. Nach § 41 Abs. 12 der Vorarlberger Bautechnikverordnung dürfen elektrische Direkt-Widerstandsheizungen nicht als Hauptheizungssystem eingebaut werden. Erlaubt sind sie nur, wenn das Gebäude den strengen CO2-Grenzwert einhält - laut Energieinstitut höchstens 12 Kilogramm pro Quadratmeter und Jahr. Das schaffen nur sehr effiziente Häuser der Klassen A+ oder A++, meist in Kombination mit einer Solar- oder PV-Anlage. Wer bisher mit Nachtspeicheröfen geheizt hat, darf sie laut Energieinstitut ohne Bewilligung durch Infrarotpaneele ersetzen.
Niederösterreich verbietet nichts, rät aber klar ab. Die Energieberatung NÖ empfiehlt grundsätzlich keine Strom-Direktheizung und keine Infrarotheizung, der NÖ Energiefahrplan 2030 strebt sogar den Ersatz bestehender Elektroheizungen an.
Eine Förderung gibt es nicht. Der Bund bezuschusst beim Kesseltausch Holzheizungen, Wärmepumpen und Fernwärmeanschlüsse, Stromdirektheizungen gehören nicht dazu. Den aktuellen Stand der Bundes- und Landesförderungen fasst der Beitrag zum Heizungstausch zusammen.
Wo Infrarot passt - und wo nicht
Aus Kosten, Komfort und Klimabilanz ergibt sich ein recht klares Bild. Infrarot lohnt sich dort, wo wenig Wärme gebraucht wird oder nur zeitweise.
Gut geeignet:
- Badezimmer: kurze, gezielte Wärme am Morgen und Abend, oft als Spiegel- oder Handtuchpaneel. Die Zentralheizung kann dann im Frühjahr und Herbst früher abgedreht werden.
- Homeoffice, Hobbyraum, Werkstatt: Räume, die nur zu bestimmten Zeiten genutzt werden und schnell warm sein sollen. Paneele reagieren in Minuten, eine Fußbodenheizung in Stunden.
- Gästezimmer, Ferienwohnung, Schrebergartenhütte: Wenige Heiztage im Jahr - hier gewinnt die niedrige Anschaffung jede Rechnung.
- Passivhaus und A++-Neubau: Bei einem Heizwärmebedarf um 15 kWh/m²a stehen Heizraum und Rohrnetz in keinem Verhältnis mehr zur benötigten Wärme.
- Gut sanierter Altbau mit Nachtspeicheröfen: Wo kein wassergeführtes System existiert und der Einbau teuer wäre, sind Paneele eine vertretbare Lösung - besser noch ist oft eine Luft-Luft-Wärmepumpe.
Schlecht geeignet:
- Unsanierter Altbau als Hauptheizung: hohe Stromkosten, kalte Wandflächen, unbehagliches Raumklima. Hier gehört das Geld zuerst in die thermische Sanierung.
- Familienhaushalt mit hohem Wärmebedarf: Jede Stunde Dauerbetrieb zählt voll auf die Stromrechnung.
- Balkon, Terrasse und Garten: Die Energieberatung NÖ rät von Infrarotstrahlern im Freien generell ab. Ein Heizpilz im Garten kann ähnlich viel Leistung brauchen wie die Heizung eines ganzen Hauses.
Für Räume, die länger und regelmäßig beheizt werden, ist ein Kaminofen als Zusatzheizung oder eine Klimasplitanlage mit Heizfunktion die günstigere Alternative. Letztere macht wie jede Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme.
Montage: wohin die Paneele gehören
Eine falsch montierte Infrarotheizung verschwendet Strom und wärmt schlecht. Die Energieberatung NÖ und das Energieinstitut Vorarlberg nennen dieselben Grundregeln:
- An die Innenwand, Richtung Außenwand: So erwärmt die Strahlung die kalten Flächen, die sonst Unbehagen erzeugen.
- Nie auf Fenster richten: Glas lässt den Großteil der Wärmestrahlung nicht durch, erwärmt sich und gibt die Wärme nach außen ab.
- Leistung aufteilen: Zwei oder drei kleinere Paneele an verschiedenen Wänden sind behaglicher als ein großes. Je mehr Richtungen, desto gleichmäßiger die Wärme.
- In Wohnräumen die Decke meiden: Deckenpaneele wärmen vor allem den Kopf. In Fluren, Bädern oder Werkstätten kann die Decke dagegen die beste Fläche sein.
- Mindestens 10 cm Abstand nach oben, unten und seitlich zu brennbaren Gegenständen. Paneele nie hinter Möbel oder Vorhänge setzen - die Wärme staut sich, die Oberfläche wird heißer.
- Thermostat an eine Innenwand neben das Paneel, nicht in die Sonne und nicht neben andere Wärmequellen.
Ein Punkt verdient besondere Vorsicht: Stromheizungen heizen mit voller Leistung weiter, auch wenn die Wärme nicht abgeführt werden kann. Ein Zentralheizungskörper wird nie heißer als das Heizwasser, ein zugedecktes Elektroheizgerät dagegen schon. Dazu belastet der Dauerbetrieb alte Leitungen. In Häusern mit älterer Installation sollte ein Elektriker die Stromkreise prüfen, bevor mehrere Kilowatt Heizleistung dazukommen.
Worauf es beim Kauf ankommt
Die Preisspanne ist groß, die Qualitätsunterschiede auch. Diese Punkte trennen ein gutes Paneel von einem schlechten:
- Strahlungswirkungsgrad nach IEC 60675-3: mindestens 40 Prozent, gute Geräte deutlich mehr. Fehlt die Angabe, ist Skepsis angebracht.
- Rückseitige Dämmung: Die Wärme soll nach vorne in den Raum, nicht in die Wand.
- Oberfläche: pulverbeschichteter Stahl oder Keramik strahlen gut ab. Glas- und Spiegelpaneele sehen schöner aus, das Material beeinflusst aber den Strahlungsanteil - hier nach dem Messwert fragen.
- Steuerung: Temperatur und Zeit müssen programmierbar sein. Ein Paneel mit bloßem Ein-Aus-Schalter läuft zu oft umsonst. Eine Fernsteuerung per App oder Smart Home ist sinnvoll, weil sich die Raumtemperatur vor der Heimkehr hochfahren lässt.
- Garantie: Fünf Jahre sind laut Energieinstitut fast Standard, manche Hersteller geben zehn.
- Angebot Raum für Raum: mit Heizlastberechnung und genauer Position jedes Paneels.
Vorsicht ist bei Angeboten mit „50 Prozent Rabatt", Restposten aus Konkursen und Vertretern geboten, die Einsparungen gegenüber einer Wärmepumpe versprechen. Zwei bis drei Vergleichsangebote sind das Mindeste. Die Energieberatungen der Länder prüfen Pläne kostenlos und produktneutral - in Vorarlberg unter 05572 31202-112, in Niederösterreich unter 02742 22 144.
Häufige Fragen
Ist eine Infrarotheizung effizienter als andere Elektroheizungen?
Physikalisch nicht. Auch die Infrarotheizung macht aus einer Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme, wie jeder Heizlüfter und jeder Nachtspeicherofen. Der Unterschied liegt im Empfinden: Weil Strahlungswärme angenehmer wirkt, reicht oft eine um ein bis zwei Grad niedrigere Raumtemperatur. Das spart in der Praxis etwas Energie.
Wie viel Strom braucht eine 600-Watt-Infrarotheizung?
Pro Stunde Volllast 0,6 Kilowattstunden, also bei 29 Cent rund 17 Cent. Läuft das Paneel im Bad an 200 Tagen je eineinhalb Stunden auf voller Leistung, sind das 180 Kilowattstunden oder rund 52 Euro im Jahr. Die tatsächliche Laufzeit hängt vom Thermostat ab - in einem gut gedämmten Raum ist das Paneel einen großen Teil der Zeit abgeschaltet.
Kann man ein ganzes Haus mit Infrarot heizen?
Technisch ja, und außer in Vorarlberg ist es auch erlaubt, sofern der Energieausweis die Anforderungen erfüllt. Wirtschaftlich sinnvoll ist es nur bei sehr geringem Wärmebedarf, etwa im Passivhaus. In einer unsanierten 95-m²-Wohnung kostet Infrarot rund 4.100 Euro Strom im Jahr, eine Wärmepumpe rund 1.200 Euro.
Wird eine Infrarotheizung gefördert?
Nein. Die Bundesförderung für den Heizungstausch gilt für Holzheizungen, Wärmepumpen und Fernwärme. Stromdirektheizungen sind ausgenommen, und auch die Länder fördern sie nicht als Hauptheizung.
Lohnt sich eine Infrarotheizung mit Photovoltaik?
Nur sehr eingeschränkt. In der Heizperiode deckt eine typische PV-Anlage laut Energieinstitut Vorarlberg nur rund 7 Prozent des Heizstroms, weil im Winter und abends kaum Sonnenstrom anfällt. In der Übergangszeit kann ein Paneel mittags mit eigenem Strom laufen, die Heizkosten im Jänner senkt die Anlage aber kaum.
Trocknet Infrarotwärme die Luft aus?
Jede Heizung senkt die relative Luftfeuchte, weil warme Luft mehr Wasser aufnehmen kann. Weil Infrarot oft mit einer etwas niedrigeren Lufttemperatur auskommt, fällt der Effekt eher geringer aus, und das Paneel wirbelt weniger Staub auf als ein Konvektor. Ab rund 55 Grad Oberflächentemperatur kann aufliegender Staub allerdings verschwelen - das riecht und lässt die Luft trockener wirken. Regelmäßiges Abwischen hilft.
Hilft eine Infrarotheizung gegen Schimmel?
Werbung verspricht das gern, weil die Strahlung Wände erwärmt und trocknet. Das Energieinstitut hält den Effekt für theoretisch denkbar, in der Praxis aber für kaum relevant. Gegen Schimmel helfen richtiges Lüften, ausreichende Wandtemperaturen durch Dämmung und das Beseitigen von Wärmebrücken.
Muss ein Elektriker die Infrarotheizung anschließen?
Einzelne Paneele mit Stecker lassen sich selbst an die Wand hängen. Bei Festanschluss, im Bad und immer dann, wenn mehrere Paneele an einem Stromkreis hängen sollen, gehört die Arbeit in die Hände eines Elektrikers. Er prüft auch, ob die bestehende Installation die zusätzliche Dauerlast verträgt.