Spritpreisbremse in Österreich: Was sie ab 1. Oktober bringt
- Im Oktober und November sinkt die Mineralölsteuer um 6,7 Cent je Liter, die Mineralölwirtschaft muss ihre Marge um 3,5 Cent zurücknehmen. Mit der Umsatzsteuer ergibt das rechnerisch 12,24 Cent pro Liter.
- Beim Diesel fällt die Mineralölsteuer damit auf 33,0 Cent je Liter - das EU-Minimum. Tiefer darf sie nicht.
- Seit April wirkte die Bremse sehr unterschiedlich stark: im April rechnerisch 12 Cent, von Juni bis September nur noch 1 bis 2,3 Cent, weil der Margeneingriff ausgesetzt und die Steuersenkung an Mehreinnahmen gekoppelt war.
- Ein 50-Liter-Tank wird um rund 6 Euro billiger. Am günstigsten tankt man weiter knapp vor 12 Uhr, weil Tankstellen ihre Preise nur einmal am Tag, zu Mittag, erhöhen dürfen.

Was ab 1. Oktober gilt
Die neue Spritpreisbremse hat zwei Teile, beide gelten für Oktober und November 2026:
- Mineralölsteuer minus 6,7 Cent je Liter, für Diesel und Benzin gleichermaßen. Der Finanzminister wird ermächtigt, die Steuer per Verordnung um bis zu diesen Betrag zu senken. Beim Diesel sinkt der Satz damit von 39,7 auf 33,0 Cent - das ist der Mindeststeuersatz der EU, tiefer darf Österreich nicht gehen. Benzin liegt danach bei 41,5 Cent.
- Margenabschlag von 3,5 Cent je Liter. Die Mineralölwirtschaft muss ihren Aufschlag um diesen Betrag zurücknehmen. Überwacht wird das von der E-Control.
Weil auf beides noch 20 Prozent Umsatzsteuer entfallen, summiert sich die Entlastung rechnerisch auf 12,24 Cent je Liter. Der Nationalrat hat die Neuauflage am 28. September in einer Sondersitzung beschlossen (Parlamentskorrespondenz), die Zustimmung des Bundesrats war für 29. September angesetzt.
Was das an der Zapfsäule heißt, zeigt der letzte verfügbare Wochenwert: Am 21. September kostete Diesel in Österreich im Schnitt 2,238 Euro, Super 95 1,925 Euro je Liter. Kommt die Entlastung voll an und bleibt der Weltmarkt unverändert, wären das rund 2,12 Euro für Diesel und rund 1,80 Euro für Super.
| Wer tankt | Liter in zwei Monaten | Ersparnis mit 12,24 Cent |
|---|---|---|
| Eine Tankfüllung, 50 Liter | 50 | 6,12 € |
| 1.000 km im Monat, 6 l/100 km | 120 | 14,69 € |
| Pendler, 2.000 km im Monat, 5,5 l/100 km | 220 | 26,93 € |
| Transporter, 3.000 km im Monat, 9 l/100 km | 540 | 66,10 € |
Berechnung: Liter × 12,24 Cent, vorausgesetzt die volle Entlastung kommt an der Zapfsäule an.
Wie die Bremse seit April gewirkt hat
Ganz neu ist das Instrument nicht. Nach dem Kriegsbeginn im Iran am 28. Februar 2026 stieg Diesel laut Budgetdienst des Parlaments bis 16. März um 41 Cent je Liter, Benzin um 23 Cent. Die erste Spritpreisbremse startete am 1. April, versprochen waren rund 10 Cent. Gehalten hat sie das nur einen Monat.
| Monat | Mineralölsteuer | Margenabschlag | Entlastung inkl. USt (rechnerisch) |
|---|---|---|---|
| April 2026 | minus 5 Cent | 5 Cent | 12,0 Cent |
| Mai 2026 | minus 2 Cent | 2,5 Cent | 5,4 Cent |
| Juni 2026 | minus 1,7 Cent | ausgesetzt | 2,0 Cent |
| Juli 2026 | minus 0,8 Cent | ausgesetzt | 1,0 Cent |
| August 2026 | minus 1,9 Cent | ausgesetzt | 2,3 Cent |
| September 2026 | minus 1,9 Cent | ausgesetzt | 2,3 Cent |
| Oktober/November 2026 | minus 6,7 Cent | 3,5 Cent | 12,2 Cent |
Quellen: Bundeskanzleramt, Wirtschaftsministerium, ORF, Parlamentskorrespondenz. Entlastung = (Steuersenkung + Margenabschlag) × 1,2.
Zwei Konstruktionsfehler erklären den Absturz. Die Steuersenkung war an die Mehreinnahmen aus der Umsatzsteuer gekoppelt: Der Staat gab nur zurück, was er durch die höheren Preise zusätzlich einnahm. Sanken die Preise, schrumpfte auch die Senkung - im Juli auf 0,8 Cent. Und den Margeneingriff hat die Regierung Ende Mai beendet. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer begründete das mit dem Schutz kleiner, unabhängiger Tankstellen und der Versorgungssicherheit (Aussendung vom 30. Mai). An seine Stelle trat bis Ende August eine „Preis-Runter-Garantie": Sinkende Notierungen an den internationalen Preisplattformen sollten rasch an der Zapfsäule ankommen.


Die Grafik zeigt auch die Grenzen jeder Spritpreisbremse. Ob der Literpreis steigt oder fällt, entscheidet der Weltmarkt: Zwischen der ersten Aprilwoche und Ende Juni fiel Diesel um mehr als 50 Cent, ab Juli stieg er wieder um über 50 Cent - bei einer Steuersenkung von ein bis zwei Cent. Die Bremse verschiebt das Niveau um ein paar Cent, den Verlauf ändert sie nicht.
Woraus sich der Literpreis zusammensetzt
Vom Dieselpreis von 2,238 Euro am 21. September entfielen laut Weekly Oil Bulletin der EU-Kommission 1,341 Euro auf den Nettopreis - Produkt, Raffinerie, Transport, Lagerhaltung und Marge. Die restlichen 0,897 Euro, rund 40 Prozent, waren Steuern: Mineralölsteuer, CO2-Preis und Umsatzsteuer. Bei Super 95 lag der Nettopreis bei 1,009 Euro, der Steueranteil bei 0,916 Euro oder 48 Prozent.
Der CO2-Preis macht dabei laut ÖAMTC 2026 beim Diesel 16,5 Cent je Liter aus, beim Benzin 15 Cent, jeweils inklusive Umsatzsteuer. An ihm ändert die Spritpreisbremse nichts.
Auffällig ist der Abstand zwischen den beiden Sorten. Diesel ist netto 33 Cent teurer als Super, obwohl er niedriger besteuert wird. Genau deshalb trifft die aktuelle Preiswelle vor allem Dieselfahrer, Pendler mit älteren Autos, Handwerk und Transport.
Österreich im Vergleich zur EU
Die Regierung betont, dass Österreichs Spritpreise unter dem EU-Durchschnitt liegen. Für Benzin stimmt das deutlich, für Diesel nicht mehr:
| 21. September 2026, je Liter | Super 95 | Diesel |
|---|---|---|
| Österreich | 1,925 € | 2,238 € |
| EU-Durchschnitt (gewichtet) | 2,092 € | 2,226 € |
| Deutschland | 2,348 € | 2,457 € |
Daten: EU-Kommission, Weekly Oil Bulletin, Preise inklusive Steuern.
Diesel lag in Österreich zuletzt gut einen Cent über dem EU-Schnitt. Mit der Senkung auf den EU-Mindeststeuersatz dürfte er ab Oktober wieder darunter fallen. Der Abstand zu Deutschland bleibt groß: Wer in Grenznähe wohnt, tankt weiter in Österreich billiger.
Kritik und Wirkung
Die Spritpreisbremse ist politisch umstritten, aus entgegengesetzten Richtungen. Die Wirtschaftskammer nannte den erneuten Margeneingriff einen schweren Fehler, die Industriellenvereinigung hätte eine reine Steuersenkung bevorzugt. Gewerkschaftsbund und Produktionsgewerkschaft begrüßten ihn als Mittel gegen Krisengewinne. Der FPÖ geht die Entlastung nicht weit genug. Die Grünen stimmten gegen die Steuersenkung auf fossile Treibstoffe und hielten den Margeneingriff für zu schwach.
Die gesamtwirtschaftliche Wirkung ist überschaubar. Der Budgetdienst schätzt, dass 10 Cent weniger pro Liter die Inflationsrate um etwa 0,2 Prozentpunkte senken. Für einen einzelnen Haushalt geht es in zwei Monaten meist um 15 bis 30 Euro - spürbar, aber kein Ausgleich für die rund 70 Cent, um die Diesel seit Februar teurer geworden ist.
Wer dauerhaft von den Ölpreisen weg will, kommt am Umstieg nicht vorbei. Was ein Elektroauto an der Ladesäule kostet, steht im Beitrag zu den Ladetarifen in Österreich, die Entscheidungshilfe zwischen Hybrid und reinem E-Auto im Artikel Plug-in-Hybrid oder Elektroauto.
Wann Tanken am billigsten ist
Unabhängig von der Bremse gilt in Österreich die Spritpreisverordnung: Tankstellen dürfen ihre Preise nur einmal am Tag erhöhen, um 12 Uhr. Senken dürfen sie jederzeit (Wirtschaftskammer). Von 16. März bis 12. April 2026 waren Erhöhungen sogar nur am Montag, Mittwoch und Freitag erlaubt, diese Verschärfung ist ausgelaufen.
Daraus folgt die einfachste Spar-Regel: knapp vor 12 Uhr tanken, wenn die Preise seit dem Vortag gefallen sind. Laut ÖAMTC baut sich der Mittagsaufschlag bis zum Abend wieder ab: Wer vormittags nicht kann, wartet besser auf den Abend als gleich nach Mittag. Über die Woche gesehen sind die Preise am Wochenende und am Montagvormittag meist am niedrigsten. Welche Tankstelle in der Umgebung gerade am günstigsten ist, zeigt der Spritpreisrechner der E-Control, in den die Tankstellen ihre Preise melden.
Häufige Fragen
Wie viel bringt die Spritpreisbremse ab Oktober?
Rechnerisch 12,24 Cent je Liter: 6,7 Cent weniger Mineralölsteuer, 3,5 Cent Margenabschlag und die darauf entfallende Umsatzsteuer. Eine Tankfüllung mit 50 Litern wird damit um rund 6 Euro billiger.
Wie lange gilt die Spritpreisbremse?
Die neue Regelung gilt für Oktober und November 2026. Die gesetzliche Grundlage für den Margeneingriff läuft Ende 2026 aus. Eine Verlängerung wäre per Verordnung möglich.
Warum war die Spritpreisbremse im Sommer kaum spürbar?
Weil der Margeneingriff Ende Mai beendet wurde und die Steuersenkung nur so hoch war wie die Mehreinnahmen aus der Umsatzsteuer. Von Juni bis September betrug die Entlastung deshalb nur 1 bis 2,3 Cent je Liter.
Gilt die Spritpreisbremse für Diesel und Benzin?
Ja, die Steuersenkung von 6,7 Cent und der Margenabschlag von 3,5 Cent gelten für beide. Beim Diesel sinkt die Mineralölsteuer damit auf das EU-Minimum von 33 Cent je Liter.
Wann ist Tanken in Österreich am günstigsten?
Knapp vor 12 Uhr, weil Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich um 12 Uhr erhöhen dürfen. Wer vormittags nicht tanken kann, wartet besser bis zum Abend, weil sich der Mittagsaufschlag im Lauf des Nachmittags wieder abbaut.
Ist Diesel in Österreich teurer als im EU-Schnitt?
Mitte September knapp: 2,238 Euro gegenüber 2,226 Euro im EU-Durchschnitt. Super 95 war mit 1,925 Euro deutlich günstiger als im EU-Schnitt von 2,092 Euro. Mit der Steuersenkung dürfte Diesel ab Oktober wieder unter dem EU-Schnitt liegen.
Stand: 29. September 2026. Spritpreise: EU-Kommission, Weekly Oil Bulletin vom 21.09.2026.