Heizung entlüften: Anleitung, Reihenfolge und der richtige Druck
- Gluckern und ein Heizkörper, der oben kalt und unten warm ist, sind die eindeutigen Zeichen für Luft im System.
- Für die ganze Anlage: Umwälzpumpe abschalten, 30 bis 60 Minuten warten, dann von unten nach oben entlüften.
- Das Ventil nur eine viertel bis halbe Umdrehung öffnen und schließen, sobald blasenfrei Wasser austritt.
- Nach dem Entlüften den Anlagendruck prüfen: Gebäudehöhe in Metern geteilt durch zehn plus 0,5 bar, meist 1,0 bis 2,0 bar.
- Muss alle paar Wochen entlüftet werden, liegt meist ein defektes Ausdehnungsgefäß, ein Leck oder Sauerstoffdiffusion vor.
Die Zeichen, dass Luft im System ist
Drei Symptome sprechen für sich, und keines davon braucht einen Fachmann zur Diagnose:
- Der Heizkörper gluckert oder rauscht, besonders beim Anlaufen der Anlage. Das ist Wasser, das sich an einer Luftblase vorbeidrängt.
- Oben kalt, unten warm. Luft steigt auf und sammelt sich im oberen Teil des Heizkörpers. Genau die Fläche fällt für die Wärmeabgabe aus.
- Ein Raum wird trotz voll aufgedrehtem Thermostat nicht warm, während der Nachbarraum problemlos heizt.
Luft im Heizkreis ist kein Schönheitsfehler. Sie verringert die wirksame Heizfläche, zwingt die Umwälzpumpe zu mehr Arbeit und fördert Korrosion im Inneren. klimaaktiv führt das Entlüften deshalb unter den Maßnahmen mit hoher Wirkung bei null Kosten - anders als der hydraulische Abgleich, der laut klimaaktiv 10 bis 15 Prozent der Heizkosten spart, aber vom Fachbetrieb kommen muss.
Was Sie brauchen
- Einen Entlüftungsschlüssel (Vierkant), im Baumarkt für unter drei Euro. Manche neuere Ventile lassen sich auch mit einem Schlitzschraubendreher öffnen.
- Ein kleines Gefäß und einen Lappen. Das austretende Wasser ist dunkel und hinterlässt Flecken auf hellem Boden.
- Bei Bedarf einen Schlauch zum Nachfüllen - meist am Kessel oder an der Therme.
Pro Heizkörper dauert es fünf bis zehn Minuten. Der beste Zeitpunkt ist vor Beginn der Heizsaison, also im September oder Oktober, sowie immer nach dem Nachfüllen von Heizungswasser. Sinnvoll ist es, den Durchgang gleich mit dem übrigen Heizungscheck zu verbinden: Systemdruck kontrollieren, Thermostatventile prüfen, Heizkörper entstauben und einmal jährlich den Kessel warten lassen.
Die zwei Methoden - und wann welche passt
Für die Vorgehensweise kursieren zwei Varianten, und beide haben ihre Berechtigung:
Die schnelle Variante für einzelne Heizkörper beschreibt die umweltberatung so: Thermostat voll aufdrehen, warten bis der Heizkörper heiß ist, Schlüssel ins Ventil stecken, Luft ablassen bis nur noch Wasser kommt, Ventil schließen, Druck kontrollieren. Das genügt, wenn ein einzelner Heizkörper gluckert.
Die gründliche Variante für die ganze Anlage geht anders vor: Umwälzpumpe abschalten und mindestens 30 bis 60 Minuten warten. In dieser Zeit steigt die Luft im gesamten System nach oben und sammelt sich an den höchsten Punkten, statt weiter im Kreislauf mitzuschwimmen. Erst dann wird entlüftet. Wer bei laufender Pumpe entlüftet, treibt die Luft immer wieder in andere Heizkörper - das ist der häufigste Grund, warum das Gluckern nach dem Entlüften wiederkommt.
Für den jährlichen Durchgang durch das ganze Haus lohnt die gründliche Variante. Bei einem einzelnen auffälligen Heizkörper reicht die schnelle.
Schritt für Schritt
- Alle Thermostatventile voll aufdrehen, damit überall Wasser zirkulieren kann.
- Umwälzpumpe abschalten und 30 bis 60 Minuten warten. Bei Thermen mit integrierter Pumpe reicht es, die Heizung kurz auszuschalten.
- Gefäß unter das Ventil halten, den Schlüssel aufsetzen und nur eine viertel bis halbe Umdrehung öffnen. Weiter aufdrehen bringt nichts und riskiert, dass sich das Ventil ganz löst.
- Luft zischen lassen, bis ein gleichmäßiger Wasserstrahl ohne Blasen austritt. Dann sofort schließen.
- Nächster Heizkörper, in der richtigen Reihenfolge (siehe unten).
- Anlagendruck prüfen und bei Bedarf nachfüllen.
- Pumpe wieder einschalten, Thermostate auf die gewünschte Position stellen und am nächsten Tag nachkontrollieren. Oft muss ein zweiter Durchgang folgen, weil sich Restluft neu gesammelt hat.
Die richtige Reihenfolge
Im Einfamilienhaus mit mehreren Geschossen arbeiten Sie sich von unten nach oben und innerhalb einer Etage vom Kessel weg zum entferntesten Heizkörper. So schieben Sie die Luft in Richtung der höchsten Punkte, statt sie im Kreis zu treiben.
Im Mehrparteienhaus mit Zentralheizung gilt das prinzipiell auch - dort ist die Wohnung im obersten Stock allerdings zuletzt dran, und ohne Zugang zu allen Wohnungen bleibt die Sache Stückwerk. Kommt in einem Mehrparteienhaus immer wieder Luft ins System, gehört das an die Hausverwaltung gemeldet und nicht wohnungsweise bekämpft.
Anlagendruck: die Zahl, die alle übersehen
Nach dem Entlüften fehlt Wasser, und der Druck sinkt. Wird nicht nachgefüllt, saugt die Anlage beim nächsten Abkühlen erneut Luft - das Problem beginnt von vorn.
Der Sollwert steht meist auf dem Manometer als grüner Bereich markiert und liegt in Einfamilienhäusern typischerweise zwischen 1,0 und 2,0 bar. Als Faustregel gilt: Gebäudehöhe in Metern geteilt durch zehn, plus 0,5 bar. Für ein zweistöckiges Haus mit 7 Metern Höhe sind das rund 1,2 bar.
Nachgefüllt wird mit kaltem Leitungswasser über den Füllhahn, langsam und bei abgeschalteter Anlage. Wichtig: Den Füllschlauch danach wieder trennen. Bleibt er dauerhaft angeschlossen, drückt bei Druckschwankungen Trinkwasser ins Heizsystem oder umgekehrt.
Fußbodenheizung: hier reicht Entlüften nicht
Eine Fußbodenheizung hat keine Entlüftungsventile an einzelnen Heizkörpern, sondern Entlüfter am Verteilerkasten. Weil die Rohrschleifen im Estrich flach liegen, sammelt sich Luft nicht an einem hohen Punkt, sondern bleibt irgendwo in der Schleife stecken.
Deshalb wird eine Fußbodenheizung nicht entlüftet, sondern gespült: Ein Kreis nach dem anderen wird bei geschlossenen übrigen Kreisen mit hohem Durchfluss durchströmt, bis die Luft mitgerissen ist. Das lässt sich mit etwas Geschick selbst machen, verlangt aber Verständnis für den Verteiler - im Zweifel ist das eine Sache für den Installateur, der dabei gleich den hydraulischen Abgleich mitnehmen kann.
Wenn immer wieder Luft im System ist
Ein bis zwei Entlüftungsvorgänge pro Jahr sind normal. Muss alle paar Wochen entlüftet werden, hat die Anlage ein Problem:
- Defektes Ausdehnungsgefäß: Ist die Membran hin, kann die Anlage Druckschwankungen nicht mehr abfangen. Beim Aufheizen öffnet das Sicherheitsventil und lässt Wasser ab, beim Abkühlen sinkt der Druck und Luft wird angesaugt. Das wiederholt sich in jedem Heizzyklus und führt langfristig zu Korrosion. Prüfen und tauschen gehört in die Hand des Fachbetriebs.
- Undichte Stelle: Ein feiner Wasserverlust im Estrich oder an einer Verschraubung senkt den Druck schleichend.
- Zu niedriger Anlagendruck: An den höchsten Punkten der Anlage entsteht dann Unterdruck, und über Ventile und Dichtungen wird Luft gezogen.
- Diffusion: Ältere Kunststoffrohre ohne Sauerstoffsperre lassen Luft durch die Rohrwand ins Wasser. Abhilfe schafft nur eine Systemtrennung mit Wärmetauscher.
Die einfachste Diagnose zu Hause: Notieren Sie den Manometerstand bei kalter Anlage über zwei Wochen. Bleibt der Druck stabil und es kommt trotzdem laufend Luft, deutet das auf Diffusion. Fällt der Druck stetig, sind Leck oder Ausdehnungsgefäß die wahrscheinlichen Kandidaten.
Was das Ganze bringt
Entlüften allein macht aus einer schlechten Anlage keine gute - es stellt nur den Zustand her, für den sie ausgelegt wurde. Der Effekt ist trotzdem spürbar, weil ein zu einem Drittel luftgefüllter Heizkörper genau um dieses Drittel weniger Wärme abgibt.
Deutlich größer sind zwei andere Hebel: die Raumtemperatur und die Einstellung der Anlage. Wer die Temperatur über die Heizperiode um zwei Grad senkt, spart laut klimaaktiv rund 12 Prozent der Heizkosten, also etwa 6 Prozent je Grad. Der hydraulische Abgleich bringt weitere 10 bis 15 Prozent. Entlüften ist die Fingerübung davor - kostenlos, in einer halben Stunde erledigt und die Voraussetzung dafür, dass die anderen Maßnahmen überhaupt wirken. Wie viel dabei insgesamt zusammenkommt, zeigt der Beitrag zur Energieeffizienz im Haushalt.
Häufige Fragen
Wie oft muss man die Heizung entlüften?
Einmal jährlich vor der Heizsaison reicht bei einer intakten Anlage, dazu nach jedem Nachfüllen von Heizungswasser. Häufigerer Bedarf ist ein Warnsignal für ein defektes Ausdehnungsgefäß oder ein Leck.
Muss die Heizung beim Entlüften an oder aus sein?
Für den gründlichen Durchgang durch das ganze Haus: Umwälzpumpe aus und 30 bis 60 Minuten warten, damit sich die Luft sammelt. Bei einem einzelnen gluckernden Heizkörper genügt es, ihn heiß werden zu lassen und dann zu entlüften.
Welcher Druck muss auf der Heizung sein?
In Einfamilienhäusern meist zwischen 1,0 und 2,0 bar. Faustregel: Gebäudehöhe in Metern geteilt durch zehn plus 0,5 bar. Der genaue Sollwert ist am Manometer markiert.
Kann ich beim Entlüften etwas kaputt machen?
Wenn Sie das Ventil nur eine viertel bis halbe Umdrehung öffnen, praktisch nicht. Riskant wird es beim Herausdrehen des ganzen Ventils und beim Entlüften unter vollem Betriebsdruck bei heißem Wasser - Verbrühungsgefahr.